Archiv für April 2014

Wir fordern Aufklärung!

Am Montag den 10. März wurde gegen 17 Uhr hier, am Mainzer Hbf, ein 28-jähriger Schwarzer von einem 57-jährigen Weißen mit einem Messer lebensbedrohlich verletzt. Mehrere Zeugen schildern, dass der Täter den jungen Mann mit rassistischen Beleidigungen beschimpft hat. Infolge dessen kam es zu einer Auseinandersetzung. Der 57-jährige zog ein Messer, stach mehrfach auf den 28-jährigen ein und verletzte ihn lebensbedrohlich.
 
Die Polizei schreibt in ihrem Bericht, dass die Ursache des Streits nicht bekannt sei. Sie will kein rassistisches Motiv dieses Tötungsversuchs erkennen, obwohl der Täter vor und während der Tat, rassistische Beleidigungen von sich gab und bei seiner Festnahme „Ich hasse Ausländer!“ schrie.
Wir fordern von der Polizei eine Erklärung darüber, wie das Tatmotiv frei von Rassismus sein kann, wenn der Tathergang derart rassistisch geprägt war. Die Behörden beweisen hier einmal mehr, dass Rassismus in dieser Gesellschaft nicht erkannt wird. Rassistische Beleidigungen werden wie jede beliebige Beleidigung behandelt, so dass Rassismus als strukturelles Problem unsichtbar gemacht wird.
 
Rassistische Angriffe spielen sich vor dem Hintergrund einer unaufgearbeiteten Geschichte des Kolonialrassismus´ ab, die heute noch nachwirkt. Der Rassismus ist in den Gesetzen, im racial profiling, der Residenzpflicht, den Einwanderungsbestimmungen, der Entwicklungspolitik. Der Rassismus ist in den öffentlichen Institutionen, am Arbeitsmarkt und in den Exekutiven. Auch in unserem Alltag ist er weit verbreitet. Im rassistischen Logo der Dachdeckerfirma Ernst Neger, in der sogenannten Mohrenapotheke, im blackfacing auf der Fassnacht. Das ist der Nährboden, auf dem sich der Angriff am 10. 03. ereignet hat.
 
Es ist zu klären, ob der Alltagsrassismus dafür verantwortlich ist, dass die Familie des Geschädigten bis heute nicht über den Vorfall informiert wurde und erst 1 Tag später durch einen Zufall davon erfahren hat. Es wurde seitens der Uniklinik oder der Polizei angenommen, dass der Geschädigte keine Angehörigen habe. All diese Zusammenhänge müssen Eingang in die öffentliche Diskussion finden. Deshalb lasst uns Druck machen!
 
Die Mahnwache wird ab dem 24. März wöchentlich immer montags von 17 – 19 Uhr stattfinden.
 
Es ist wichtig, dass ein klares Zeichen gesetzt wird:
 
Nie wieder rassistische Angriffe!
 
Rassismus erkennen und bekämpfen!